Yoga und CO2-Emission

Artikel inspiriert durch einen Satsang in Brüssel am 10.10.'10 als Teil einer Aktion der weltweiten Organization '350', die feststellt, dass "Wissenschaftler sagen, dass 350 ppm CO2 in der Atmosphäre ein sicherer Grenzwert für die Menschheit ist und die danach strebt, unterhalb diesen Grenzwert zu gelangen." Weiteres unter www.350.org.

CO2 in der Atmoshäre, das den Treibhauseffekt verursacht und zur globalen Erwärmung unseres Planeten führt, entsteht im Verbrennungsprozess organischer Materie wie Erdgas, Erdöl, Benzin und Kohle. Zuerst denken wir also an Autos, Kohlekraftwerke und die gesamte Industrie.

Auf den ersten Blick fallen unsere Assoziationen also in die beliebte Rubrik "die anderen, ich nicht".

Materielle Bedürfnisse

Natürlich enthüllt der zweite Blick, dass ja ich es eigentlich bin, der eines dieser Autos fährt, dass ich es bin, der die elektrische Energie verbraucht, die in den Kohlekraftwerken verbraucht wird, und dass die Industrie meinen Teil dieser ganzen Dinge um uns herum produziert.

Wenn wir wirklich darüber nachdenken, warum wir was benötigen, wird klar, das ein sehr grosser Teil unseres 'Energie-Materie-Umsatzes' dem nie endenden, unmöglichen Unterfangen gewidmet ist, diese gähnende Leere in uns zu füllen. Wir fühlen uns immer irgendwie unvollständig, irgend etwas fehlt immer, und wir jagen diesem mysteriösen Etwas in dieser Welt der Dinge, Gefühle und Gedanken wie einer Fata Morgana in der Wüste hinterher. Sobald wir jedoch das zu packen haben, wovon wir dachten, dass es uns erfüllen würde, verschwindet sein hypnotisierender Glanz, und schon bald beginnen wir, etwas anderem hinterherzujagen.

Wie alle anderen spirituellen Lehren und alle Religionen, weist Yoga uns darauf hin, dass unser Fehler in der Richtung unserer Suche liegt: Wir suchen fieberhaft ûberall aussen, doch versäumen es, innen zu suchen. Wir sind uns sicher, dass wir uns selbst wie unsere Westentasche kennen und behaupten überzeugt, dass in uns nichts Besonderes verborgen ist, oder aber wir sin duns einfach nicht bewusst, dass es eine siebte Richtung neben links und rechts, oben und unten und vorwärts und rückwärts gibt.
Alle erleuchteten Weisen und Heiligen, alle Meister aller Traditionen verkünden voller Freude: "Schwestern und Brüder, wir haben gefunden, wonach wir alle suchen - es ist unser eigenes Selbst! Du bist Das!"

Was kann Werbung jemandem versprechen, der wirklich zufrieden mit sich selbst ist, der sein kleines Ego nicht zu ernst nummt und der den weisen Beschloss gefasst hat, nicht jeder Laune seines Geistes Folge zu leisten; was kann Werbung einer oder einem Heiligen versprechen, der seine eigene Gottesnatur erkannt hat, der weiss, dass er unsterblich ist, der auf alles Wissen zugreifen kann, dessen Geist sich ständig im Zustand höchster Wonne gefindet? Was kann diese riesige, CO2 ausstossende Maschinerie, die die Menschheit am Laufen hält, ihr oder ihm bieten? Ein yogisches Ideal ist "einfach leben, hoch denken", sicherlich ein hochkarätiges CO2 verminderndes Prinzip.

Atmung

Wir haben in der Schule gelernt, dass wir Sauerstoff ein- und Kohlendioxid ausatmen. Wir produzieren 24 Stunden täglich CO2. Wir können nicht länger als ein paar Minuten überleben, ohne Sauerstoff einzuatmen, doch um das zu tun, müssen wir zunächst ausatmen. Darüber hinaus muss unser Organismus CO2, Abfallprodukt des inneren Verbrennungsvorganges, loswerden. Erstaunlicherweise scheint sich niemand in der Diskussion um CO2 an diese Tatsache zu erinnern, dass der menschliche Körper eine ständige Quelle von CO2 ist.

Dies mag vielleicht lächerlich klingen, doch schon eine eifache Überschlagsrechnung zeigt, dass die Menschheit als Ganzes eine enorme Menge CO2 ausstösst. Die Rate liegt in der Grössenordnung der oben erwähnten vom Menschen geschaffenen, vieldiskutierten CO2-Quellen. Dies zeigt das riesige unterschätzte oder sogar ungesehene Potential zur Verrminderung des gesamten CO2-Ausstosses, das in unserer Atmung verborgen liegt.

'Keine Menschen, keine CO2-Ausatmung!' ist natürlich eine mögliche Konsequenz, doch wir werden gleich sehen, dass eine signifikante Verminderung der CO2-Emission durch menschliche Körper nicht so dramatisch aussehen muss.

Es lohnt sich, wenigstens zwei Tatsachen näher zu untersuchen: a) das Atemvolumen pro Minute von kranken Menschen ist grösser als das von gesunden, und b) der Atem und auch das Atemvolumen pro Minute ist engstens verbunden mit dem Geisteszustand.
Kranke atmen nicht nur schneller, sie atmen auch mehr Liter Luft (O2 ein, CO2 aus) pro Minute. Der Unterschied ist frappierend: Abhängig von der Kranheit und natürlich auch dem Schweregrad derselben atmet die oder der Betreffende bis zu vier mal mehr als wenn sie oder er gesund ist.

Ein weiterer bemerkenswerter und vielleicht nicht so selbstverständlicher Effekt tritt auf, wenn wir den Geist in einen ruhigeren, friedvolleren Zustand bringen, den wir einen 'höheren' Zustand nennen, weil dann weniger mentale Erregung die direkte Erfahrung unseres innersten Wesens umwölkt. Selbst Anfänger erfahren schnell, dass ihr Atem sich beruhigt, während oder nachdem sie die eine oder andere spirituelle Übung wie Hatha Yoga, Mantrasingen oder Meditation praktizieren.

Wenn die Übung zu einem festen Bestandteil unseres Lebens wird, mit anderen Worten, wenn wir zu spirituellen Schülern oder Suchenden werden und danach streben, unser eigenes wahres Selbst zu erfahren, wird der Geist mehr und mehr von Erregung befreit (anderenfalls ist die Praxis falsch und muss verändert oder angepasst werden). Damit wird auch unser Atemmuster unausweichlich ruhiger und friedlicher. Körperliche Spannungen und geistige Erregung, die viel Sauerstoff verbraucht haben, lösen sich in der Flut einer fest verankerten, zur guten Gewohnheit gewordenen spirituellen Praxis auf.

Spirituelle Meister jeder Disziplin atmen lediglich einen Bruchteil der durchschnittlichen sech Liter Luft pro Minute, einfach weil sie nicht mehr benötigen. Im hohen Zustand von unmani, in dem jede Geistesbewegung stoppt, kann Kevala Kumbhaka auftreten, das spontane 'Versickern' des Atems. Die oder der Meditierende hält nicht die Luft an, wie wir es tun, wenn wir den Kopf unter Wasser nehmen; die Atmung 'versickert' vielmehr, weil sie in diesem hohen Bewusstseinszustand physisch nicht notwendig ist. Prana, die Lebensenergie, fliesst vollkommen frei und der Geist ist völlig still.

Swami Nada-Brahmananda, Schüler von Swami Sivananda und Nada Yoga Guru von Shri Yogi Hari, wurde in der luftdichten Kammer eines Labors untersucht, während er Tabla spielte, sein Geist völlig absorbiert in Meditation. Es wurde bewiesen, dass er 37 Minuten lang nicht atmete. Er bestätigte, dies jeden Morgen zu tun: 'Ich sterbe jeden Tag', scherzte er gerne. Natürlich ist dies extrem und sicherlich nicht für Jedermann, doch es zeigt deutlich den Einfluss des Geisteszustandes auf die Atmung.

Die Schlussfolgerung liegt auf der Hand: Wir brauchen umso weniger Sauerstoff und stossen umso weniger CO2 aus, je gesunder wir sind und je ruhiger unser Geist ist. Verglichen mit der schon erwähnten technischen Maschinerie erscheint unser Atem verschwindend gering, doch der gesamte Atem der Menschheit ist keineswegs vernachlässigbar, leben doch etwa sieben Milliarden Menschen auf diesem Planeten.

Ernährung

Wir Menschen essen was unsere Zunge mag, und diese mag was sie gewohnt ist. Ernährung ist ein empfindliches Thema, doch weil sie sowohl einen grossen Einfluss auf die Entwicklung eines spirituell Suchenden als auch auf die CO2-Emission hat, lohnt es sich sehr, über sie nachzudenken, zu diskutieren und entsprechend zu handeln.

Viele Leute, besonders hier im Westen, lieben es, Fleisch zu essen. Auch wenn wir vielleicht wissen, dass Fleich für eine gesunde Ernährung nicht notwendig ist, auch wenn wir vielleicht wissen, dass Fleischkonsum sogar dei verschiedensten Krankheiten hervorrufen kann, halten wir aufgrund der Macht unserer Gewohnheiten und des Drucks unseres kulturellen Umfelds und der Strategie der Industrie daran fest.

Yoga schreibt seinen Schülern nicht explizit eine vegetarische Ernährung vor. Dennoch empfiehlt z.B. die Referenz für Hatha Yoga, die Hatha Yoga Pradipika von Swatmarama, ausschliesslich vergetarische Nahrungsmittel für Hatha-Yoga-Praktizierende. Andererseits werden unter anderem Fleisch und Fisch als ungeeignet für einen Hatha Yogi aufgeführt. Seine Ernährung muss nährstoffreich, leicht verdaulich und mit dem angestrebten Ziel verträglich sein, einen friedlichen, völlig ausgeglichenen Geist zu erlangen. Es ist noch nicht einmal für einen Anfänger ratsam, Atemübungen und Yogahaltungen mit vollem Magen zu praktizieren. Fleisch ist schwer verdaulich und bliebt lange Zeit im Verdauungssystem. Die Fäulnisprozesse beginnen schon vor der Ausscheidung, was neben der Belastung durch im Fleisch enthaltene Hormone und Chemikalien zu zusätzlicher Vergiftung des Körpers führt.

Doch im Yoga gibt es keine äusseren dogmatischen Ge- und Verbote. Vielmehr überzeugt Yoga innerlich durch durch eigene Erfahrung. Vielleicht ist das so, weil Yogis mit der Wirkweise des menschlichen Geistes vertraut sind, der kaum durch starre Regeln überzeugt werden kann. Wie dem auch sei, lösen sich viele Menschen, die mit Yoga beginnen und sich langsam der Wirkungen von Fleischkonsum auf Körper und Geist bewusst werden, von dieser Gewohnheit und werden langsam, auf friedliche, natürliche Weise, vielleicht sogar beinahe ohne es wirklich zu merken, zu Vegetariern.

Es ist bereits allgemein anerkannte Tatsache, dass Fleischessen einen Grossteil der vom Menschen erzeugten Treibhausgas-Emission verursacht, und dass allein die Veränderung, dass sich die gesamte Menschheit vergetarisch ernährte, die CO2-Konzentration unter den kritischen Wert von 350ppm sinken lassen würde. Ursachen dafür sind unter anderem die Atmung der Tiere und die Abholzung, die die Massentierhaltung notwendig macht. Für nähere Informationen sei auf Publikationen von R.K. Pachauri, G. Eshel, P.A. Martin, G. Bisshop, S. Adam verwiesen.

Es zeigt sich also, dass auch in dieser Hinsicht die Praxis von Yoga zur Verminderung des CO2-Ausstosses beiträgt.

Bemerkung: Wussten Sie schon, dass Jesus strenge vegetarische Ernährung lehrte? Wahrscheinlich gefiel dies den Römern nicht, weil sie wie wir leidenschaftliche Fleischesser waren, und daher haben sie es aus der zensierten Sammlung früher christlicher Schriften, die wir "Die Bibel" nennen, herausgeworfen. Dennoch berichtet zum Beispiel die Schrift "Das Evangelium der Essener" davon, dass Jesus im Fleischkonsum die Ursache vieler Krankheiten sieht, unter denen auch wir heutzutage leiden. Siehe auch www.essene.com/GospelOfPeace/.

Das folgende kurze Zitat stammt aus dem ersten Teil des Evangeliums der Essener:

"Sage uns, was sind die Sünden, die wir meiden müssen, um von keiner Krankheit mehr geplagt zu werden?" - Jesus antwortete: "... und das Fleisch der geschlachteten Tiere wird in seinem Körper zu seinem Sarg. Denn ich sage euch, der jenige, der tötet, tötet sich selbst, und wer isst vom Fleisch des geschlachteten Tieres, isst vom Körper des Todes. Denn jeder Tropfen Tierblut verwandelt sich in seinem Blut in Gift, der Tieratem in seinem Atem in Gestank, das Tierfleisch in seinem Fleisch in Geschwüre, die Tierknochen in seinen Knochen in Kreide, die Tiergedärme in seinen Gedärmen in Verwesung, die Tieraugen in seinen Augen in Schuppen, die Tierohren in seinen Ohren in Wachs. Und der Tod der Tiere wir sein Tod sein. ..."

Schluss

Shri Yogi Hari sagt: "Gesundheit ist der grösste Reichtum, und Friede im Geist ist die grösste Freude. Yoga zeigt Dir den Weg zu beidem." Wir könnten ohne weiteres beifügen: "... und hilft entschieden, den CO2-Ausstoss dieses erstaunlichen, globalen Organismus zu vermindern, den wir Menschheit nennen.

Die Praxis von Yoga vermindert in vielerlei Hinsicht die Emission von CO2. Meiner Meinung nach spiegelt dies lediglich die Liebe für das Leben, die Menschhiet, und das innerste Selbst wider, auf die die einfache und äusserst feine Lehre des Yoga basiert.

Wir brauchen in erster Linie keine externen Regeln und Gesetze. Der Menschheit fehlt es an Respekt und Liebe für sich selbst und die sie umgebende Natur. Wenn diese in unserem Denken, unserem Handeln, der Erziehung unserer Kinder und unserem täglichen Leben so strömten, wie sie sollten, würde spirituelle Disziplin (Yoga also, ob wir es nun so nennen oder nicht) von alleine spiessen und gedeihen, weil diese nichts anderes als ein Ausdruck ist, das Göttliche in einem selbst zu ehren. Die Verminderung des CO2-Ausstosses folgt von selbst als einer von vielen Nebeneffekten neben einer allumfassenden Heilung von Mutter Erde.

Vyasa, Oktober 2010