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Shri Yogi
Hari:
Mein Weg zum Yoga
"Wie viele andere Menschen bin auch ich aus gesundheitlichen
Gründen zum Yoga gekommen.
Ich wurde in eine traditionelle hinduistische Familie geboren.
Wir begrüßten jeden Tag mit Opfergaben und Gebeten,
doch über „Hatha Yoga“ wussten wir nichts.
Unser Leben war sehr einfach– ohne Radio, ohne Fernsehen,
ohne Telefon, ohne Spielzeuge... kurzum: ohne störende
geistige Ablenkungen. Das einfache Leben gab uns Gelegenheit,
unsere Kreativität und inneren Talente zu entwickeln.
Industriell verarbeitete Nahrungsmittel konnten wir uns nicht
leisten. Stattdessen bestand unser Essen aus frisch zubereiteten
Zutaten – und auch hier mussten wir Maß halten.
Als ich später begann, für verschiedene Firmen
als Landvermesser auf den Bahamas zu arbeiten, löste
ich mich schnell von meiner Heimat und den dort gelebten Traditionen.
Wie jeder junge Mann aus einfachen Verhältnissen war
ich fasziniert und angezogen vom westlichen Lebensstil mit
all seinen Verführungen. Ich dachte, dass die Menschen,
die so erfolgreich waren und viel Geld und Macht besaßen,
sehr wohl wüssten, was sie taten. Was immer es auch war,
es würde schon richtig sein! So begann ich mich schnell
dem westlichen Lebensstil anzupassen und auch entsprechend
zu ernähren. Mein Körper reagierte auf diese Umstellung
mitheftigen Grippeanfällen und Atemwegserkrankungen.
Daraufhin gaben mir die Ärzte Antibiotika, die die Symptome
jedoch nur vorübergehend unterdrückten. Schon bald
danach brach die Krankheit umso heftiger aus. Den Ärzten
fiel nichts Besseres ein, als einfach die Dosis zu erhöhen.
Ich erinnere mich an eine Situation, in der ein Arzt es leid
war, mir noch mehr Penizillin zu verschreiben. Er drückte
mir einfach eine ganze Schachtel Antibiotika in die Hand und
sagte: „Nehmen Sie so viel davon, wie Sie wollen!“
Da ich fast ununterbrochen krank war, stand ich auch permanent
unter dem Einfluss von Medikamenten. Die Krankheit und die
Nebenwirkungen der Medizin zehrten enorm an meinen Kräften
und ich hatte keinen größeren Wunsch, als dass
der Tag nur irgendwie zu Ende gehen möge. Meine Frau,
die als Krankenschwester in einem naturheilkundlich orientierten
Krankenhaus arbeitete, versuchte mich mit all ihrer Liebe
von der westlichen Medizin abzubringen. Doch ich wehrte mich
hartnäckig. Wie sollte sie es besser wissen als all die
Ärzte, die so lange studiert hatten? Mein Geist war vollständig
vom westlichen Denken überschattet.
Ich erinnere mich an ein Wochenende, an dem ich mich so entsetzlich
krank fühlte, dass mir schon von dem Gedanken, montags
wieder zur Arbeit gehen zu müssen, schauderte. Jetzt
endlich entschied ich mich, den Ratschlägen meiner Frau
zu folgen. Sie verabreichte mir Einläufe, verpasste mir
heiße und kalte Umschläge und ließ mich mit
Kräutertees fasten. Bereits bis zum Montagwaren die Beschwerden
soweit abgeklungen, dass ich wieder zur Arbeitgehen konnte.
Und ein paar Wochen später war ich mutig genug, meinem
Arzt mitzuteilen, dass ich seine Hilfe ab sofort nicht mehr
brauchen würde. Als ich ihm erzählte, wie die Naturheilmittel
mir geholfen hatten, lachte er herzlich. Er war sich sicher,
mich schon bald als Patienten wieder zu sehen. Doch seitdem
sind mehr als 37 Jahre vergangen und ich habe noch nicht einmal
mehr eine Tablette Aspirin genommen!
Damals hatte mir meine Frau auch ein kleines Büchlein
geschenkt. Es hieß„Yoga und Gesundheit“
und war von Yesudian. Dies war der Beginn meiner großen
Entdeckungsreise auf dem Pfad des Yoga! Schon bald nachdem
ich den Yoga regelmäßig praktizierte, regenerierte
sich mein Körper zusehends und gewann seine alte Stärke
zurück. Manchmal nahm ich spontan Yoga Stellungen ein,
die gar nicht in dem Buch aufgeführt waren. Zuerst verwirrte
mich das und ich dachte, ich hätte sie erfunden; doch
später stellte ich fest, dass sie ausgesprochen klassisch
waren. Diese Erfahrung hielt mehrere Jahre an.
Nachdem ich nun gelernt hatte, dass auch die Welt des Geldes
und der Macht ihre Schattenseiten hat, gab ich im Jahre 1975
– ich war damals gerade einmal 30 Jahre alt –
meine gut bezahlte Arbeit auf. Ich hatte mich entschieden,
dem weltlichen Leben den Rücken zu kehren und mit meiner
Familie in den Sivananda-Ashram einzutreten. Meine Frau unterstützte
mich ohne Vorbehalte, denn sie war es ja gewesen, die mich
auf diesen Weg gebracht hatte.
Als wir in den Ashram übersiedelten, hatten wir bereits
vier Kinder und das jüngste war etwa zwei Jahre alt.
Wir blieben sieben Jahre lang in der Sivananda-Organisation
und lebten von meinen Ersparnissen. Ich widmete mich 24 Stunden
täglich meinem Sadhana. Jeder Tag begann und endete mit
Meditation und ich verbrachte täglich mehr als fünf
Stunden mit Yoga und Pranayama. Außerdem praktizierte
ich Nada Yoga, studierte die Schriften und widmete einen Teil
meines Tages Seva, dem selbstlosen Dienst für den Guru
und die Gemeinschaft des Ashrams.
Nach sieben Jahren intensiven Studiums beschlossen wir, uns
in Florida niederzulassen, um unseren Kindern eine schulische
Ausbildung zu ermöglichen. Ich wollte beweisen, dass
die Prinzipien des Yoga auch außerhalb des Schutzes
eines Ashrams wirksam sind. Dies war die Geburtsstunde von
Sampoorna Yoga."
Aus: "Sampoorna Yoga",
Shri Yogi Hari
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